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MODELL: HANSA-LLOYD Bj. 1930 als Lieferwagen der Firma KAFFEE HAG

 

 

Ein Buch mit dem Titel "100 Jahre Kaffee Hag" aus der Edition Temmen in Bremen erregte mein Interesse, und meine liebe Hildburg machte ihre Geldbörse auf. Bin zwar TEE-Trinker, aber als Bremer Butjer zeigt man schließlich für alles Bremische ein verstärktes Interesse. Was mit Borgward begann und mit Nordmende seine Fortsetzung fand - ein "FIDELIO" als Erbstück steht in meinem "Borgwardzimmer" - findet nun mit KAFFEE HAG und HANSA-LLOYD seine Fortsetzung. Genau genommen ist es bereits die dritte Phase meiner Zuneigung zu koffeinfreiem Kaffeegenuss, aber alles der Reihe nach.

 

Beim Durchblättern meines neuen Buches stieß ich auf ein Foto, das einen HANSA-LLOYD Bj. 1930 als Lieferwagen der Firma KAFFEE HAG zeigte. Das war der Auslöser zum Nachbau dieses schönen Fahrzeuges. Mehr als dieses Foto hatte ich also nicht. Das war nicht viel, aber einen Modellbauer schreckt das nicht, wozu hat er eine umfangreiche Literatursammlung, der bestimmte technische Daten zum Fahrzeugtyp entnommen werden können!

 

 

 

 

 

 

Also erst einmal das Chassis dieses Lieferwagens in die HANSA-LLOYD Typologie der ausgehenden 20er und beginnenden 30er einordnen. Höchstwahrscheinlich handelt es sich hier um das Fahrgestell eines 2-t-Schnelllastwagens vom Typ Bremen III, der ab 1930 in Bremen-Hastedt gefertigt wurde. ausgerüstet mit einem 4-Zylinder- oder 6-Zylinder-Benzinmotor mit 40 bzw. 60 PS konnte der Wagen von HANSA-LLOYD in vielen unterschiedlichen Ausführungen geliefert werden, und als Fahrgestell von diversen Karosseriefirmen, wie Thiele und Pollmann in Bremen, mit Spezialkarossen wie unser KAFFEE-HAG-LKW oder als Bus versehen werden. Auf einen günstigen cw-Wert hatte man es damals noch nicht abgesehen, zumal sich die Höchstgeschwindigkeit mit 55-60 km/h in bescheidenen Grenzen hielt. Das kommt natürlich dem Modellbauer entgegen, kann er doch die damals eckigen Proportionen einfacher in die richtige Form bringen.

 

Nachdem ich mir die ungefähre Größe des zu bauenden Modells zurecht gelegt hatte, ging ich RÄDER suchen. Ein erfahrener, leider schon verstorbener Modellbauer, hat mir das seinerzeit mit auf den Weg gegeben. In einem Revell-Bausatz für einen KRUPP-LKW wurde ich fündig und konnte diesen Ladenhüter für wenig Geld abgreifen. Nach Studium der mir vorliegenden eher dürftigen Daten, "Ausmessen" des Fotos im KAFFEE-HAG-Buch und Vergleich mit den erstandenen Rädern legte ich den Modell-Maßstab auf 1:18 fest.

 

Es ergaben sich folgende Maße: Länge = 325 mm entspr. 5,85 m; Breite = 115 mm = 2.07 m; Höhe = 147 mm = 2,65 m. Jetzt zum Material: Für den Aufbau wählte ich 1mm-ALU und 1mm-Kupferblech, 3mm-Sprerrholz sowie Fenstermaterial aus Klarsichtverpackungen. Hinzu kamen verschiedene MS-Profile, Schrauben, Kunstleder, Keksdosenblech, diverse Lacke und viele andere Kleinteile. Den Rahmen wollte ich eigentlich in Eigenfertigung herstellen, aber  nach Durchsicht des Revell-Baukastens entschloss ich mich anders, nicht wissend, welche Schwierigkeiten ich mir damit eingehandelt hatte.

 

 

Die vorhandenen Kunststoffteile des Rahmens mussten in aufwändiger Kleinarbeit maßstab- und modellgerecht verändert und angepasst werden, was nicht immer ganz glücklich zu Ende ging. Die Bodenplatte aus ALU-Blech und Sperrholz gefertigt, wurde mit dem Kunststoffrahmen verbunden. und irgendwie stand eines Tages das Untergestellt meines HANSA-LLOYD vor mir, und die Arbeiten am Aufbau konnten beginnen. Dazu muss gesagt werden, dass alle Teile mit UHU-plus2-Komponentenkleber zusammengefügt wurden. Dieses Verfahren hat sich hervorragend bewährt, kann man doch viele Teile, um die Trocknungszeit auf wenige Minuten abzukürzen, im Backofen verkleben!

Die Aufbaufertigung hatte ihre Tücken in dem Ausbohren und Ausfeilen von insgesamt 14 Karosserieöffnungen inkl. dreier Türen. Die hinteren Radausschnitte mussten passgenau mit den Kotflügeln des Rahmens harmonieren, und das Einsetzen der an MS-Scharnieren hängenden Türen brachten mich doch einige Male auch im tiefkalten Keller zum Schwitzen! Heiner Voßberg übernahm das Lackieren des Aufbaus; ein Dankeschön an ihn!

 

Am 16. Dezember, nach ca. 6 Wochen Bauzeit, konnte die Abnahme erfolgen, und der Erbauer und seine bessere Hälfte sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

 

Es ist mittlerweile das dritte KAFFEE-HAG-Fahrzeug aus meiner kleinen Modellwerksatt. Zusammen mit seinen GOLIATH-Gefährten, vorgestellt in früheren "Wir über uns" - Magazinen, findet es nun hoffentlich noch einen Platz in meiner schon übervollen Vitrine. Vielleicht werde ich doch noch ein KAFFEE-HAG-Trinker?! Hildburg sagt: "Kommt gar nicht in Frage"!

 

 

Die Fotos zeigen das fertige Modellfahrzeug, das Foto aus dem Temmen-Buch und das gesamte KAFFEE-HAG-Ensemble mit dem neuen "GROSSEN BRUDER"!

 

 

 

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