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Archiv - Clubzeitung "Wir über uns" aus dem Jahr 2007

 

"Wir über uns" so nennt sich unsere 2 mal jährlich, im April und Dezember, erscheinende Club-Zeitschrift. An dieser Stelle möchten wir Ihnen einige interessante Berichte aus unserem aktiven Clubleben bzw. über die Borgwardmodelle vorstellen.

 

Beginnen wir mit dem Beitrag aus Heft 3/2007 von Winfried Kück, fotografiert von Hans-Jürgen Gaede:

 

50 Jahre Borgward Isabella Coupé

 

Als Heinrich Elfert, der Leiter der PKW-Produktion im Sebaldsbrücker Werk, im Jahre 1956 ein handgefertigtes Isabella Coupé dem Ehepaar Borgward zur Begutachtung vor das Portal der Privatvilla stellte, ahnte wohl niemand, welch einen großen Stellenwert dieser von purer Eleganz strahlende Karosse 50 Jahre später einnehmen würde.

 

Entstanden ist dieser Zweisitzer in einer Zeit, wo in der Bundesrepublik das Wirtschaftswunder aufblühte, wo die Deutschen von eleganten Automobilen, von schmucken Häusern und fernen Reisen nur so träumten. Leider blieb es für viele nur ein Traum, sich ein rund 11.000,-- DM teures Isabella Coupé leisten zu können. Und dennoch: Dieses Coupé, in fast 10.000 Einheiten von 1957-1961 durchweg in Handarbeit gefertigt, fand seine Käufer in vielen Ländern der Erde, und etliche Fahrzeuge davon überlebten bis zum heutigen Tag dank ihrer anerkannten Qualitäten.

 

Ein Isabella Coupé ist mehr als nur ein Zweisitzer, es ist mehr als sportliches Fahrzeug. Ein Isabella Coupé zeugt von erstklassigem Design mit einem für damaligen Zeiten kraftvollen Auftritt. In der heutigen Zeit, wo gerade das Automobildesign durch negative Einflüsse dem ästhetischen Verfall zusteuert, sticht gerade das Isabella Coupé mit seinen glamourösen Formen weit aus der Masse heraus. Wohl kaum ein Fahrzeug dieser Größenordnung konnte schon damals mit diesem Borgward mithalten. Weder der Karmann-Ghia mit seinem im Heck zwitschernden Boxer oder der zweitaktende 1000 SP von der Auto Union. Ein in Ausstrahlung und Qualität befindlicher 190 SL mag dem Borgward schon wesentlich näher kommen, doch befindet er sich in einer ganz anderen Leistungs- und Preisklasse.

 

Seinerzeit versuchten etliche Wettbewerber, eine Coupé-Variante in ihre Angebotspalette aufzunehmen. Meistens handelte es sich dabei um karosserietechnische Limousinen-Umbauten. Das wohl stilistisch grausamste Beispiel war das von Opel kreierte Rekord-Coupé aus dem Jahre 1962, heute ein als "rasender Kofferraum" verschriener Zweisitzer.

 

Nein, ein Borgward Isabella Coupé darf als Meilenstein unter den schönsten Coupés bezeichnet werden. Kein anderer als sein Schöpfer und Erbauer Carl F. W. Borgward verstand es, Kraft und Ästhetik in einem Coupé so zu vereinen, dass daraus ein Meisterstück seinesgleichen wurde. So verwundert es nicht, dass auch heute gerade dieses Borgward-Modell eines der gefragtesten unter den Sammlern ist, und dass es längst zu einem Mythos heranreifte.

 

Der Neuwagenkäufer hatte schon damals das große Vergnügen, sich aus einer umfangreichen Farb- und Zubehörpalette bedienen zu können. Beliebt bis zum heutigen Tag ist der Farbton Elfenbein in Verbindung mit einer roten Inneneinrichtung. Doch auch zweifarbige Lackkreationen stehen diesem Zweisitzer ausgezeichnet.

 

Die heute meist durchrestaurierten Fahrzeuge tragen allesamt liebevoll ausgesuchte Farbtöne, so ganz nach den Geschmäckern ihrer stolzen Besitzer.

Es ist immer wieder eine Augenweide, auf Treffen vielerorts diese lack- und chromblitzenden Coupés bestaunen zu dürfen.

 

Carl Borgward hätte sicherlich daran eine große Freude empfunden an diesem 50. Geburtstag seines Coupés.

 

An ihn und seiner schönsten Schöpfung wollen wir dankbar erinnern.

 

Mögen diese so ans Herz gewachsenen Zweisitzer noch lange ihre Besitzer begleiten und die Oldtimer-Szene damit würdevoll bereichern.

 

 

 

Prototyp hat überlebt

 

Das einzige Vorserienfahrzeug mit der Fahrgestell-Nr. 346002, ein Isabella Coupé aus dem Jahre 1956, hat bis heut überlebt. Jenes Fahrzeug nämlich, das Carl Borgward seiner Gattin zum Weihnachtsfest des selben Jahres schenkte.

 

Ursprünglich in einem dunklen Rot lackiert, ließ es Frau Borgward ein Jahr später im Werk in Dunkelblau umlackiert (siehe Foto von 1982). Frau Borgward bewegte dieses Coupé noch bis weit in die Achtziger Jahre auf den bremischen Straßen.

 

Zwischenzeitlich wieder in Originalrot umlackiert und komplett restauriert, befindet sich dieses Isabella-Coupé mit dem amtlichen Kennzeichen HB-AU 380 nach 51 Jahren auch weiterhin im Besitz der Familie Borgward.

 


 

 

 

Stellvertretend für die zahlreichen Fans eines Isabella Coupé möchten wir nachfolgend fünf Besitzer dieses Typs in Wort und Bild einmal vorstellen:

 

 

JOHANN DUHN

 

 

Wohl kein anderer als der Mitbegründer und das Ehrenmitglied des Borgward-Club Bremen, Johann Duhn, hat sein elfenbeinfarbenes Isabella Coupé so oft auf Veranstaltungen vielerorts präsentieren können wir er. Denn immerhin ist das 1957 gefertigte Exemplar seit August 1965 in seinem Besitz. Dieser super erhaltene Zweisitzer wurde nicht nur im Sebaldsbrücker Werk gebaut, sondern dort auch von einem Borgward-Ingenieur dienstlich gefahren und nach der Werksschließung in dessen Privatbesitz überschrieben.

 

Als Johann Duhn als neuer Besitzer 1965 in den KFZ-Brief eingetragen wurde, und das liegt immerhin mehr als 40 Jahre zurück, belief sich die Gesamtlaufleistung auf 180.000 km. Heute sind es mittlerweile 514.000 km, die dieses bis heute unrestaurierte Coupé, unter anderem bis zum Großglockner, zurücklegte.

 

Dass sich Johann Duhn schon damals für die Marke Borgward interessierte, liegt bei ihm im Blut, schon sein Vater war seinerzeit Mitarbeiter in diesem großen Bremer Werk. So verwundert es auch nicht, wenn sich Johann Duhn jährlich als Ideengeber und für die organisatorischen Belange auf der Bremen Classic Motorshow bezüglich der Marke Borgward vehement einsetzt.

 

Sein Engagement für die Marke Borgward ist beachtens- und empfehlenswert.

 

 

ECKHARD NEIN

 

 

Eine Jugendliebe kann sehr unterschiedliche Charaktere besitzen. Bei dem einen heißt sie vielleicht Rosamunde und zählt knappe 18 Lenze, bei dem anderen heißt sie Isabella und hat mittlerweile 48 Jahre voller Höhen und Tiefen hinter sich gebracht.

 

So ein Exemplar und noch voll rüstig liebt und schätzt unser Bremer Club-Freund Eckhard Nein. Voller Stolz präsentierte er auf unserer diesjährigen Frühlingsausfahrt nach Nordenham sein mit dem historischen Kennzeichen HB-EN 124 H versehenes zweifarbiges Coupé.

 

Zugegeben, so manche Blessur hatte seine Jugendliebe, als er sie im Herbst 2000 kennen lernte, aber im Kern jedoch war sie gesund. Der selbst Hand anlegende Eckhard Nein verpasste ihr so manches neue Gelenk, und auch an ihrem Äußeren wurde etliches ausge­wechselt und geglättet. Von einer Vollrestauration kann man hier sprechen und diese hat sich sichtbar gelohnt. Man muss eben nur in die richtigen Hände gelangen und schon strahlt man wieder wie einst im Mai. Nach dieser Prozedur hat sein Coupé bereits wieder 15.000 km gelaufen.

 

Eckhard Nein liebäugelt noch mit einem großen Borgward P 100, aber der wäre dann männlichen Geschlechts, und das wiederum ist dann eine ganz andere Geschichte...

 

Mögen Eckhard Nein und seine Isabella noch lange miteinander eng verbunden bleiben und so manches Treffen mit ihrer Teilnahme bereichern.

 

 

BERND KRUCKENBERG

 

 

Als waschechter Bremer macht es eigentlich Sinn, sich mit einem Fahrzeug, welches in Bremen produziert wurde, fortzubewegen. So dachte es sich jedenfalls schon im Jahre 1961 Bernd Krukenberg, als er seinerzeit einem Goliath 900 Einspritzer aus dem Jahre 1957 die Treue versprach. Diese Liaison hielt leider nur ein ganzes Jahr, wesentlich länger jedoch der Goliath.

 

Erst 32 Jahre später, 1994, wurden dann aber Nägel mit Köpfen gemacht. Diesmal sollte es ein Isabella Coupé sein, jene charmante Dame nämlich, welche nicht mit schönen Formen geizte, sich aber in einem erbärmlichen, dem Exitus nahe stehendem Zustand befand.

 

Doch Bernd Krukenberg wollte es wissen und startete durch. Zweieinhalb Jahre lang wurde gerichtet, geschweißt, geschraubt und lackiert. Und was dabei herauskam, das kann sich wirklich sehen lassen. In den zurückliegenden 10 Jahren wurden Bernd Krukenberg und Hildburg Casjens dann aber so richtig für ihren Einsatz belohnt, denn größere Reisen nach Österreich, den Niederlanden und nach Frankreich standen mit diesem Coupé auf dem Programm, und als stiller Begleiter hing dann auch meist ein Eriba-Familia-Wohnwagen an der Hängerkupplung. Seitdem sind rund 37.000 km zusammengekommen, die dieser Borgward mit Bravour meisterte.

 

Wer aber meint, Bernd Krukenberg besäße nur dieses eine Borgward-Fahrzeug, der irrt. Weitere 109 Fahrzeuge mit bremischem Siegel, das dürfte auch dem eifrigsten Sammler die Sprache verschlagen, befinden sich in seinem privaten Besitz. Angefangen beim legendären Blitzkarren bis hin zur Sylter Inselbahn zählen sie zu dieser wohl ein­maligen Sammlung, die sich in Vitrinen und Regalen seiner Wohnung vorzeigefähig aneinanderreihen.

 

Die enge Verbundenheit Bernd Krukenbergs mit der unvergessenen Bremer Borgward-Gruppe, seine Aktivitäten und sein Wissen insbesondere, sind eindrucksvoll und überzeugend zugleich.

 

 

WOLFGANG SCHAFFERT

 

 

Eine glückliche Hand hatte Carl Borgward mit seinem Motorenkonstrukteur Karl-Ludwig Brandt. Der zauberte nämlich in den frühen Fünfzigern stattliche 75 PS aus seinem neu konstruierten Vierzylinder. Mit so einem Triebwerk in einem Coupé kann man auf der Landstraße gelassen dahin gleiten, oder aber, tritt man mal ordentlich aufs Gaspedal, dann so richtig lospreschen.

 

Kaum ein Ort für solch eine sportliche Fahrweise und als Bestätigung für die viel gerühmte Qualität eines Borgward eignet sich besser als der Hockenheimring.

 

Unser Club-Freund Wolfgang Schaffert konnte sich erneut von der Zuverlässigkeit seines 1958 gebauten Coupés überzeugen, als er kürzlich an einem den Klassikern vorbehaltenen Rennen auf dem Hockenheimring teilnahm. Sein grünes Coupé, das Wolfgang Schaffert im Jahre 2003 erwarb, hat immerhin schon 190.000 km insgesamt zurückgelegt. Eine komplette Vollrestauration war von Nöten. An dem Finish und der Ausstrahlung seines Coupés konnte sich der Betrachter in Nordenham sichtbar erfreuen.

 

Mögen auf Treffen auch in Zukunft beide wieder dabei sein: Wolfgang Schaffert und sein elegantes Isabella Coupé.

 

 

SIEGFRIED BUNK

 

 

Kalifornien war schon für manchen Oldtimer-Sammler eine willkommene Anlaufadresse, um hier das Auto seines Begehrens zu finden und auch zu erwerben. Dank der günstigen klimatischen Verhältnisse dort haben viele Karossen wesentlich länger überlebt als in unseren Breitengraden.

 

So darf sich der stolze Borgward-Coupé-Fahrer Siegfried Bunk zu diesen glücklichen Menschen zählen, denn sein 1960 gebautes silberfarbenes Coupé, welches in Kalifornien am 1. Mai 1961 erstmals zugelassen wurde, konnte der Borgward-Kenner, der schon mehrere Fahrzeuge dieser Bremer Marke besaß, von einem in der Szene bekannten Borgward-Sammler aus dem Frankfurter Raum erwerben und es im Mai 1999 wieder zulassen.

 

Dieser mit Chromfelgen ausgestattete Zweisitzer hat eine Gesamtfahrstrecke von 58.000 Meilen hinter sich und trägt noch sein Original-Blechkleid. Lediglich eine Neulackierung und eine neue Innenausstattung wurden seinem Borgward spendiert.

 

Bei einer so guten Substanz dieses 47 Jahre alten Bremers wird er seinem Besitzer noch viele Jahre Freude bereiten, denn ein Borgward hält was er verspricht.

 

 

 

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